Analogabschaltung und HD-Everywhere?

07. 06. 2016
Nachbericht

Mit einem Blick nach Österreich stieg die Diskussionsrunde zum Thema „Kabel-Agenda 2018: Analogabschaltung und HD-Everywhere? am Eröffnungstag des Medienforum NRW 2016 am 07. Juni in Köln ein. Günther Singer, Geschäftsführer LIWEST Kabelmedien, berichtete, mit welchen begleitenden Kommunikationsmaßnahmen hier die Analogabschaltung erfolgt sei. „Wir konnten mehrere Schritte setzen, die die Kunden mobilisiert haben.“ Mittlerweile seien lediglich noch weniger als fünf Prozent der Haushalte nicht digitalisiert. „Spätestens Ende August ist die Umstellung auf Volldigitalisierung vollzogen“, verkündete Singer. Einer der Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich sei, dass in der Alpenrepublik nicht so viele Verträge mit der Wohnungswirtschaft geschlossen werden, betonte Singer.

Kluges Konzept gefordert

In Deutschland sei man „ein Stück weit vom Konsens entfernt“, wie die Analogabschaltung von statten gehen solle, befand Dr. Annette Schumacher, Head of Regulatory Media & State Aid bei Vodafone. Ein schrittweises Vorgehen bei der Umstellung von analog auf digital möchte sie vermeiden: „Wir müssen die Wohnungswirtschaft mit ins Boot holen, nicht nur Kabelnetzbetreiber und Sender. Und dann brauchen wir ein kluges Konzept.“ Und: „Sollten wir es gemeinsam nicht schaffen, brauchen wir womöglich ein Gesetz- was allerdings bedauerlich wäre.“

Die Vorteile von digitaler Verbreitung liegen auf der Hand

Dr. Michael Müller, Senior Vice President Distribution bei ProSiebenSat.1, nannte die derzeitige Situation, mit Blick auf die Wohnungswirtschaft, „bizarr“. „Dort wo Wettbewerb stattfindet, geht es nicht weiter.“ Das rufe in seinem Unternehmen Unverständnis hervor, denn die Vorteile der digitalen Verbreitung lägen auf der Hand. Bei ProSiebenSat.1 sei der Analogausstieg 2018 fest geplant. Schon jetzt seien beispielsweise die neugestarteten Sender ProSieben Maxx und Sat.1 Gold nur digital verfügbar.

Analogzuschauer an die Hand nehmen

In Deutschland würde noch ein Drittel der Haushalte analog fernsehen“, mahnte Stefan Beberweil, CCO von Tele Columbus. Die Kabelnetzbetreiber seien auch Dienstleister der Wohnungswirtschaft. Es gebe dort eine Nachfrage nach analoger Anbindung. Deshalb möchte er eine Umstellung nicht „über das Knie brechen“ und an einem einzigen Datum die Umstellung vornehmen. Stattdessen sollte man die Analogseher, die überwiegend ältere Zuschauer seien, an die Hand nehmen. Außerdem schlug Beberweil vor, gemeinsam mit Partnern HD-Pakete zu schnüren, deren Attraktivität die Kunden überzeuge und zur Umstellung veranlasse. Zudem brauche es die Klarheit vom Gesetzgeber dazu, welcher Player mit wem sprechen dürfe, ohne dass das Kartellamt einschreite.

Runder Tisch unter Federführung der Landesmedienanstalt

Martin Heine, Medienanstalt Sachsen-Anhalt (MSA) griff diesen Vorschlag auf und bot an, unter der Federführung der Landesmedienanstalt einen runden Tisch ins Leben zu rufen, „um das Thema voran zu bringen und einen Konsens zu erarbeiten“. Er appellierte an die Anwesenden und an die im Publikum sitzende Wohnungswirtschaft: „Wenn Sie mir Kompromissbereitschaft signalisieren, dann machen wir das.“ Dabei gelte es auch, auf die Bedenken der Wohnungswirtschaft einzugehen. Diese habe Sorge, dass der digitale Übertragungsweg nur verschlüsselt zu bekommen sowie mit steigenden Kosten für die Mieter verbunden sei. Beides gelte es ernst zu nehmen und Lösungsansätze aufzuzeigen. Grundsätzlich gelte es, die Angebotsvielfalt zu wahren.

Diskussion auf nationale Ebene gefordert

Stefan Liebig, Viacom International Media Networks Northern Europe, begrüßte den Vorstoß des Landesmedienanstalt-Chefs: „Wir reden ständig von einem runden Tisch. Dann lassen Sie uns doch einen ins Leben rufen – und das nicht nur regional, sondern national.“ Gerade für die kleineren Sender sei es wichtig, ob sie im analogen Kabel vertreten seien oder nicht.

HD everywhere

Im zweiten Teil des Talks, der in Kooperation mit VPRT, ANGA COM und Deutsche TV Plattform stattfand, ging Moderator Dr. Peter Charissé, ANGA Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber e.V., auf die Frage nach HD everywhere ein. Dr. Michael Müller konnte für sein Haus, ProSiebenSat.1, verkünden: „Mit 6,5 Millionen HD-Subscribern liegen wir im Plan.“ Zur Entwicklung trugen auch die immer größer werdenden Bildschirme bei. Auch Stefan Liebig bewertete das HD-Wachstum als „positiv.“ Stefan Beberweil betonte: „Die Vermarktung ist der Schlüssel für den Erfolg von HD.“

Wie wirkt sich DVB-T 2 auf den Wettbewerb aus?

Einig waren sich die Podiumsteilnehmer von Sendern und Infrastrukturbetreibern: Man beobachte die Entwicklung von DVB-T 2 „sehr interessiert.“ Aber man bezweifle, dass dieser Verbreitungsweg künftig eine große Zielgruppe erreiche. Die Fahne für DVB-2 hielt der-Direktor der Medienanstalt Sachsen-Anhalt, Martin Heine, hoch: „Wir freuen uns über jede Wiederbelebung von Rundfunktechnik.“

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