Beyond TV – It’s Television. But Not As We Know It

11. 06. 2015
Nachbericht

Die Auswertung von Bewegtbildern findet immer häufiger unabhängig von klassischen Empfangsgeräten wie dem Fernseher statt. Bei einer Veranstaltung der Entertainment Master Class im Rahmen des Medienforum NRW 2015 gaben zwei internationale Referenten einen Einblick in aktuelle Entwicklungen. Die Relevanz des „Second Screens“, des zweiten Empfangsgeräts, das während des TV-Konsums genutzt wird, kam dabei ebenso zur Sprache wie ein Modell, das Online-Inhalte von lokalen Tageszeitungen mit der On-Demand-Nutzung von Filmen und Serien kombiniert.

 

Jeroen Doucet, der als Strategieberater bei dem in Amsterdam ansässigen Unternehmen Ex Machina den Bereich ComingNextTV leitet, gab einen Einblick in die Chancen und Herausforderungen, die die zunehmende Nutzung von Smartphones unter TV-Zuschauern mit sich bringen. „Die Zuschauer nutzen intensiv ein anderes Device, während sie vor dem TV-Gerät sitzen“, berichtete er. „Manchmal beschäftigen sie sich auf dem Second Screen mit Themen, die mit der Sendung zu tun haben, manchmal auch mit etwas völlig anderem.“ Es gehe für die Fernseh-Macher darum, diese Nutzer mit den Programmen zu vernetzen. „Zuschauer, die mit den Inhalten interagieren, sind ein besonders loyales Publikum“, sagte Doucet. Als Beispiel für eine gelungene Kombination aus Online-Angebot und Live-Fernsehsendung präsentierte er unter anderem einen Ausschnitt aus einer Musik-Castingshow, bei der Facebook-Nutzer, die den gerade singenden Kandidaten unterstützen, mit Bild auf einer Leinwand hinter der Bühne zu sehen waren. „Mit einer derartigen Form von Social TV lassen sich zwar keine unmittelbaren Einnahmen generieren, die Einbindung der Zuschauer funktioniert aber sehr gut“, kommentierte der Referent aus den Niederlanden. Bei einer möglichen Multiscreen-Auswertung von Inhalten gebe es eine Reihe von Punkten für die TV-Sender zu bedenken, erklärte Doucet weiter. So seien zum Beispiel nur bestimmte Genres wie Quiz, Talentshow, News oder Sport für diese Form der interaktiven Präsentation geeignet. Auch das Alter der Zielgruppe gelte es zu bedenken. „Menschen im Alter von über 45 Jahren sind in der Regel nicht mit dem Umgang mit einer Second Screen vertraut“, so Doucet, „in den nächsten Jahren wird sich diese Altersgrenze natürlich entsprechend nach oben verschieben.“ Nicht zuletzt seien bei der Einbindung von Zuschauern via Smartphone auch die auf diesem Weg gesammelten Nutzerdaten ein wichtiges Instrument für die TV-Verantwortlichen. Allerdings müsse man in dieser Hinsicht langfristig denken, sagte der Doucet. „Manchmal werde ich gefragt, welche Erkenntnisse sich aus Daten ergeben. Dann sage ich: Das werdet Ihr in fünf Jahren herausfinden.“

 

Michael Werner, Chairman of the Board bei FlowNetwork in Stockholm, berichtete anschließend über ein Projekt in Schweden, das die Online-Präsenzen lokaler Zeitungen mit einem Bewegtbild-Angebot kombiniert. Auf diese Weise sei die Nutzung der News-Angebote, bei denen die Verweildauer zuvor im Durchschnitt nur vier Minuten pro Tag betragen hätte, bereits signifikant gewachsen, berichtete Werner, der vor der Gründung von FlowNetwork unter anderem den TV-Streamingdienst Magine mit aufgebaut hatte. In der Film-Library, die FlowNetwork über die Tageszeitungs-Websites zugänglich macht, sind unter anderem auch einige deutsche Kinoproduktionen wie „Hannah Arendt“ und „Die Welle“ verfügbar. Die Leser können diese Filme gratis anschauen, Einnahmen generieren FlowNetwork und die beteiligten Zeitungsverlage durch Werbung. Dementsprechend habe man für die Film- und Serieninhalte Lizenzen für Advertising based Video on Demand (AVOD) erworben, berichtete Werner. „Als wir zuerst danach gefragt haben, waren die Reaktionen verhalten“, berichtete er, „mittlerweile bieten uns die Vertriebe aber schon von sich aus AVOD-Lizenzen an.“ In naher Zukunft wolle die schwedische Firma ihr Content-Angebot auf eine neue Stufe stellen. Derzeit laufen die Arbeiten an der ersten Eigenproduktion, der Dramaserie „Gåsmamman“ („The Ghost Mother“), die FlowNetwork in Zusammenarbeit mit Endemol und SBS Discovery realisiert. „Wir haben die Erstausstrahlungs-Rechte“ kündigte Werner in Köln an. Auch für eine eigene Online-Show mit dem Sidekick eines populären schwedischen Talkshow-Hosts habe man bereits Verträge abgeschlossen.