Eine starke Medienwoche in NRW setzte vielfältige Akzente: Medienforum NRW und Future Zone Summit stifteten wichtige Debatten und präsentierten internationale Top-Akteure

06. 06. 2017
Pressemeldung

  • Wichtige Debatten beim Medienforum NRW: Medienpolitischer Schwerpunkt u.a. mit Diskussionen zu Hate Speech, Regulierung von Plattformen und Bewegtbildangeboten im Netz
  • Future Zone Summit: Transmediales Storytelling und Gamification im Fokus der gemeinsamen Veranstaltung von Mediennetzwerk.NRW, CREATIVE.NRW, Stadt Köln und HMR International
  • Networking am Abend: RTL-Produzentenempfang, ANGA COM Night, Sommer-Branchentreff der Film- und Medienstiftung NRW und Verleihung des siebten Webvideopreis Deutschland

Düsseldorf, 6. Juni 2017  In Nordrhein-Westfalen ist eine starke Medienwoche zu Ende gegangen: Vom 30. Mai bis zum 2. Juni trafen Vertreter der Medien-, Kreativ- und Digitalwirtschaft zusammen und nutzten zahlreiche Branchenevents für Fachdiskussion, Austausch und Networking. Das 29. Medienforum NRW mit seiner gemeinsamen Eröffnungsveranstaltung mit der ANGA COM und der Future Zone Summit bildeten einen Rahmen, der die Anbietervielfalt der NRW-Medienbranchen widerspiegelte und inhaltlich vielfältige Akzente setzte. ANGA COM Night, der RTL-Produzenten-Empfang, der Sommer Branchentreff der Film- und Medienstiftung NRW und die Verleihung des siebten Webvideopreis Deutschland boten ausgiebig Gelegenheit zur Kontaktpflege.

Jan Lingemann, Geschäftsführer Mediencluster GmbH und verantwortlich für das Programm des Medienforum NRW: „Die Medienwoche in NRW war eine gelungene Kombination aus einer starken Leistungsschau von Standortunternehmen und Machern vor Ort und inspirierendem Input internationaler Gäste. Dabei konnte das 29. Medienforum NRW auch in diesem Jahr wichtige medienpolitische Akzente setzen und die Diskussion vorantreiben. Im Vordergrund standen aktuelle Themen wie die Regulierung von sozialen Netzwerken und Medienvielfalt in der digitalen Demokratie. Der Future Zone Summit in der Industrie- und Handelskammer zu Köln ergänzte das Angebot um zwei hochaktuelle und richtungsweisende digitale Content-Themen. In Verbindung mit attraktiven Abendveranstaltungen insgesamt eine sehr ergiebige Woche für alle Beteiligten.“

Das Programm im Rückblick

Das Medienforum NRW fokussierte sich in diesem Jahr auf die öffentliche Diskussion bestimmende medienpolitische Themen wie die Regulierung von sozialen Netzwerken und Medienvielfalt in der digitalen Demokratie. Erstmals gab es auch das neue Format „One-on-One“. Hier diskutierten jeweils zwei Experten 20 Minuten lang im direkten Austausch ein medienpolitisches Top-Thema, das die Branche bewegt.

Das erste Streitgespräch befasste sich mit dem brisanten Thema Verleger kontra Internet? – Schützt ein EU-weites Verlegerrecht überholte Geschäftsmodelle? Hier plädierte Prof. Dr. Höppner für ein solches Recht, da es verlegerische Inhalte vor einer unzulässigen kommerziellen Nutzung durch Intermediäre schütze. Dem widersprach eco-Chef Oliver Süme. Das deutsche Leistungsschutzrecht hätte negative Konsequenzen für Innovationen gehabt und die Verlage hätten von dem Gesetz nicht profitiert.

Mit der Frage „Wie viel – oder wenig – Plattformregulierung ist nötig? beschäftigte sich das zweite One-on-One. Claus Grewenig (Bereichsleiter Medienpolitik, Mediengruppe RTL Deutschland) stellte heraus, wie wichtig das Thema Auffindbarkeit sei: „Zugang und Auffindbarkeit bei Plattformen und der Schutz der Signalintegrität müssen neu geregelt werden.“

Das dritte One-on-One stellte das Thema Adblocker in den Vordergrund. Die Diskutanten vertraten diametral entgegengesetzte Meinungen. So fand Dr. Cornelius Lehment, Rechtsanwalt, Lubberger Lehment: „Adblocker sind für mich eine Bedrohung der Medienvielfalt und eine Bedrohung der Demokratie“.  Für Volker Tripp, Politischer Geschäftsführer, Digitale Gesellschaft sind dagegen „Adblocker ein legitimes Mittel zur digitalen Selbstverteidigung.“

Bei der Diskussion Wer zügelt den Hass im Netz?“ betonte Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) in seiner Keynote: „Wir müssen unseren gemeinsamen Werten wieder Geltung verschaffen. Es gibt keine Alternative als gegen die zunehmende Rücksichtslosigkeit anzukämpfen. Nur so können wir die Freiheit und den demokratischen Charakter des Netzes erhalten.“ Schmid kündigte an, dass das Landeskriminalamt, das Justizministerium, das Innenministerium, die Polizei und Staatsanwaltschaften sowie die LfM in NRW die Zusammenarbeit bei diesem Thema enger abstimmen werden, um die Effizienz der Rechtsdurchsetzung zu erhöhen.

Angesichts der zunehmenden Relevanz von Intermediären wie Google oder Facebook bei der Nutzung von Nachrichteninhalten müssten auch diese Anbieter wie klassische Medien betrachtet und kontrolliert werden.  Social Media-Unternehmen ständen aber auch selbst in der Pflicht, ihre Aktivitäten transparent zu machen und vor allem auch gegen Fake News und strafrechtlich relevante Inhalte engagierter vorzugehen. Dies waren übereinstimmende Forderungen der Teilnehmer des Panels Medienvielfalt in der digitalen Demokratie: Make the Truth great again! Nach einem Impulsreferat von Prof. Dr. Wiebke Möhring (Institut für Journalistik, TU Dortmund) diskutierten Hans Demmel (VPRT), Prof. Dr. Ralf Müller-Terpitz (Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich, KEK), Andreas Tyrock (WAZ) und Dr. Udo Grätz (WDR).

Future Zone Summit

Am Mittwoch, 31. Mai, und Donnerstag, 1. Juni, fand in der IHK Köln erstmalig der Future Zone Summit statt.  An den beiden Tagen kamen über 300 Vertreter der Medien-, Kreativ- und Digitalwirtschaft zusammen, um die großen Herausforderungen durch Digitalisierung und Konvergenz zu diskutieren und zu neuen Modellen und gemeinsamen Lösungen zu kommen.

Am ersten Tag stand das Thema Erzählen im digitalen Zeitalter: Transmedia Storytelling im Vordergrund. Internationale Experten gaben in Keynotes und Case Studies Einblicke in die Welt des transmedialen Erzählens. Der New Yorker Transmedia-Guru Jeff Gomez (Starlight Runner Entertainment) erklärte, wie er durch Transmedia Storytelling weltumspannende Brand-Awareness-Erfolge für Marken wie „Harry Potter“, „Avatar“, „Pirates of the Caribbean“ generieren konnte. David Varella präsentierte die aufsehenerregende Transmedia-Verlängerung der Kultserie „Sherlock“, und Ian Forrester gab Einblicke in den Einsatz von „perceptive media“ bei der BBC. Einen Blick auf Ambitionen und Bedarfe in der Region warf das Abschlusspanel, bei dem Moderator Jochen Voß mit Michael Brink (LAVAlabs Moving Images), Nils Hartmann (Parasol Island), Tobias Schiwek (UFA LAB) und Daniel Wagner (Monokel) diskutierte, wie aus einer Idee eine transmedial erfolgreiche Geschichte entsteht.

Beim Gamification-Tag zeigte Kiko Pautasso (&samhoud), wie der Einsatz von Spielemechaniken in Unternehmen nicht nur den Spaß an der Arbeit erhöht, sondern auch Arbeitsprozesse effizienter macht. Der britische Gamification-Pionier Pete Jenkins (GAMIFICATION+) stellte erfolgreiche internationale Strategien vor, Matthias Schäfer (Interone) und Stefan Kreutzer (remote control productions) präsentierten in Case Studies zahlreiche Beispiele des erfolgreichen Einsatzes von Games in der Unternehmenskommunikation. Das Abschlusspanel mit Prof. Dr. Gundolf Freyermuth (Cologne Game Lab), Ayten Pekerman (Deutsche Telekom), Isabel Rudolf (METRO), Thorsten Unger (Wegesrand), Stefanie Waschk (Engage.NRW) und Babak Zeini (futurest) legte erneut den Fokus auf NRW und diskutierte, was den Standort bereits ausmacht und wo seine Potentiale liegen.

Der Future Zone Summit wurde gemeinsam von Mediennetzwerk NRW, CREATIVE.NRWStadt Köln und HMR International, in Kooperation mit der Film- und Medienstiftung NRW, Mediengründerzentrum NRW, ifs internationale filmschule köln, Transmedia NRW, Cologne Game Lab, Engage.NRW, SAE Institute und IHK Köln, in Medienpartnerschaft mit WIRED veranstaltet.

Networking am Abend

Am Montagabend, 29. Mai, eröffneten die ANGA Leader’s Night und der RTL-Produzentenempfang das Networking der Medienwoche NRW, gefolgt von der ANGA COM Night in den Rheinterrassen am Dienstagabend.

Am Mittwochabend, 31. Mai, lud die Film- und Medienstiftung NRW zum Sommer-Branchentreff in die Kölner Wolkenburg. Bei bestem Wetter begrüßte Filmstiftungs-Geschäftsführerin Petra Müller Vertreter aus Film, Medien und Politik sowie zahlreiche Teams NRW-geförderter Produktionen. Unter den rund 800 Gästen waren u.a. das Team von „Subs“ mit Regisseur Oskar Roehler, Produzentin Jutta Müller (Molina.Film) und den Hauptdarstellern Katja Riemann, Oliver Masucci, Samuel Finzi und Lize Feryn, die unmittelbar vom Dreh in die Wolkenburg kamen. Ebenfalls mit dabei: Anke Schäferkordt (Mediengruppe RTL), Christine Strobl (ARD Degeto), Hans Demmel (VPRT), Peter Charissé (ANGA COM), der Aufsichtsratsvorsitzende der Filmstiftung Werner Schwaderlapp, der amtierende NRW-Staatssekretär für Europa und Medien Dr. Marc Jan Eumann, zahlreiche Referenten der ANGA COM, des Medienforum NRW sowie des Future Zone Summit.

Einen starken Abschluss der Medienwoche in NRW bot am Donnerstagabend die Verleihung des siebten Webvideopreis Deutschland. Mehr als 3.700 Gäste und Fans verfolgten die von Barbara Schöneberger moderierte Gala, die erstmals im Düsseldorfer ISS Dome abgehalten wurde. Über insgesamt 72 Nominierungen in 25 Kategorien konnten Webvideo-Fans im Vorfeld online abstimmen. Die Veranstaltung wurde parallel per Livestream auf YouTube übertragen. Gewinner des Abends waren der Aachener Videokünstler Julien Bam, der in drei Kategorien abräumte, und der in Köln lebende Felix von der Laden, der zwei Preise gewann. Insgesamt gingen 13 Auszeichnungen an Kreateure und Produktionen aus NRW, darunter „Wishlist“, die Webserie der Wuppertaler Produzenten von ‚Out of the Box‘ die zum „Best Video of the Year“ gekürt wurden.