Fernsehmarkt: Wie steht es um die Anbietervielfalt?

30. 05. 2017
Nachbericht

Die Perspektiven von TV-Spartensendern in einem von starker Konkurrenz geprägten Markt wie Deutschland waren das Thema eines Panels beim Medienforum NRW 2017 am 30. Mai in Köln in Kooperation mit der ANGA COM. Die Sendervertreter auf dem Podium zeigten sich dabei zuversichtlich, dass es auch in Zukunft erfolgreiche Geschäftsmodelle für spezialisierte Programme geben werde.

Um Erfolg in der Nische zu haben, sei eine eindeutige Positionierung im Markt und eine klare Zielgruppenansprache wichtig, sagte Susanne Aigner-Drews, die als Geschäftsführerin von Discovery Networks Deutschland unter anderem für Sender wie DMAX, TLC und Eurosport verantwortlich zeichnet. „Die Marke ist im Free-to-air-Bereich extrem wichtig.“ Generell sei die Nachfrage nach Bewegtbild-Angeboten ungebrochen hoch, erklärte Dr. Torsten Rossmann, Geschäftsführer der WeltN24 GmbH. Dabei spiele auch das Internet eine immer stärkere Rolle. „Man kann aber noch nicht davon sprechen, dass hier eine Revolution im Gange ist“, führte Rossmann aus. Die Umsätze mit Werbung im Umfeld von Online-Bewegtbildern würden in diesem Jahr voraussichtlich von 400 Millionen auf rund 500 Millionen Euro wachsen. Der klassische TV-Werbemarkt erreiche mit rund 4,7 Milliarden Euro Umsatz noch eine ganz andere Dimension.

Dennoch sei das Umfeld für neue Sender in Deutschland schwierig, da die Konkurrenz durch die Öffentlich-Rechtlichen und die beiden großen privaten Sendergruppen RTL und ProSiebenSat.1 im Free-TV sehr stark ausgeprägt sei. Rossmann wertete die Entwicklung des vor acht Monaten gestarteten Spartenkanals N24 Doku, der zum Teil zeitversetzte Auswertung von N24-Programm und zum Teil eigene Inhalte bietet, als Erfolg. Allerdings mache sich das Konkurrenz-Umfeld in diesem Genre in höheren Preisen für den Erwerb von Lizenzprogrammen bemerkbar. Hier seien die Kosten innerhalb der vergangenen zehn Jahre um zehn bis 15 Prozent gestiegen. „Wenn ich mehr aufwenden muss, habe ich natürlich auch mehr Bedarf an Refinanzierung durch Werbung“, gab Rossmann zu bedenken. Wichtig sei es für die kleineren, spezialisierten Sender vor diesem Hintergrund, neue Finanzierungsformen zu erschließen, befand Dr. Matthias Kirschenhofer, Geschäftsführer der Sport1 Media GmbH. Werbepartnern müssten andere Präsentationsformen über den klassischen 30-Sekunden-Spot hinaus ermöglicht werden. „Da liegt in der Sparte eine Chance“, sagte Kirschenhofer.

Kirschenhofer sieht auch die Medienaufsicht gefordert, die geeigneten Rahmenbedingungen für die Spartenkanäle zu schaffen. „Anbietervielfalt ist nur möglich, wenn es ein regulatorisches Umfeld gibt, in dem diese Anbietervielfalt auch gedeihen kann“, sagte der Sport1 Media-Geschäftsführer in Köln. Viele kleinere Sender würden unter anderem bei der Auffindbarkeit und durch die Zahlung von Entgelten für die Distribution diskriminiert. „Unser Fokus ist durchaus darauf gerichtet, dass auch kleinere Sender einen diskriminierungsfreien Zugang zum Markt haben sollten“, betonte Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM). Mitunter sei es für die Medienanstalt aber auch schwierig, sich ein genaues Bild etwa von Vertragsbedingungen bei der Distribution zu machen, weil ihr keine Einsicht in die entsprechenden Verträge gewährt werde. „Wir versuchen mitunter auch, das vor Gericht durchzusetzen, sind dort in einigen Fällen aber auch schon gescheitert“, berichtete Schneider. Auch das Problem der Regulierung von im Ausland ansässigen TV-Plattform-Anbietern wie Amazon müsse in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

Die Spartensender-Anbieter setzen unterdessen für die Zukunft nicht zuletzt auch auf die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Partnern. „Wir sind offen für alle Kooperationen“, erklärte Kirschenhofer. Als erfolgreiches Beispiel nannte er die Deutsche Eishockey Liga (DEL), bei der Sport1 als Free-TV-Window für den Rechte-Inhaber Deutsche Telekom fungiert habe. „Mit 700.000 Zuschauern war die Übertragung des Endspiels ein großer Erfolg für uns.“ Discovery Deutschland wird die anstehenden Übertragungen von den Olympischen Spielen zwar im Alleingang auf seinen Sendern im Free-TV und Pay-TV bewältigen, setzt aber laut Susanne Aigner-Drews auch auf die Einbindung von Partnern. Unter anderem habe man im Bereich des Internet-Fernsehens OTT ein Joint Venture mit ProSiebenSat.1 vereinbart, berichtete die Geschäftsführerin und fügte hinzu: „Kooperationen sind sinnvoll, um Themen zu bewerkstelligen, die man allein nicht stemmen kann.“

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