Gemeinsame Eröffnung von Medienforum NRW und ANGA COM 2017 in Köln: Netzausbau, Wettbewerb und unterschiedliche Content-Strategien prägen die aktuellen Entwicklungen der Breitband- und Inhalteindustrie

30. 05. 2017
Pressemeldung

Am 30. Mai 207 wurden in Köln das 29. Medienforum NRW und der 17. Kongress der ANGA COM mit einer gemeinsamen Veranstaltung erstmals im Congress-Centrum Nord der Koelnmesse, wohin die Veranstalter aus einem anderen Teil der Koelnmesse gezogen waren, eröffnet. Vertreter der Inhalte- und Breitbandkabelindustrie, für die Nordrhein-Westfalen der führende Standort in Deutschland ist, diskutierten die aktuellen technologischen, wirtschaftlichen und politischen Fragestellungen ihrer konvergenten Branchen. Dabei waren die drängendsten Fragen im Rahmen der in diesem Jahr zum 4. Mal stattfindenden gemeinsamen Kongresseröffnung der weitere Netzausbau, die Wettbewerbskonstellationen im Markt und unterschiedliche Contentstrategien der verschiedenen Plattformbetreiber.

Thomas Braun, Präsident des ANGA Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber e.V., forderte in seiner Eröffnungsrede einen zukunftsfähigen Regulierungsrahmen und appellierte an die Kongressteilnehmer, gemeinsam in die Gigabit-Gesellschaft vorzustoßen.

Die gemeinsame Eröffnungsveranstaltung von Medienforum und ANGA COM stand unter dem Titel „Gigabit, 4K und Over the Top: Breitband und Medien in der Disruption“. Hierzu diskutieren Dr. Hannes Ametsreiter, CEO Vodafone Deutschland / Mitglied im Executive Committee der Vodafone Group; Niek Jan van Damme, Vorstand Deutschland, Deutsche Telekom AG; Anke Schäferkordt, Geschäftsführerin Mediengruppe RTL Deutschland; Carsten Schmidt, Vorsitzender der Geschäftsführung, Sky Deutschland; Lutz Schüler, CEO von Unitymedia, Ronny Verhelst, CEO Tele Columbus Gruppe und Christoph Vilanek, CEO der freenet AG.

Gleich zu Beginn stellte Moderator Claus Strunz die provokative Frage an Hannes Ametsreiter und Niek Jan van Damme: Braucht Deutschland ein Internetministerium? Bis jetzt sei die digitale Entwicklung auf fünf Ministerien verteilt. Niek Jan van Damme und Ametsreiter stimmten zu und nannten es ein richtiges Signal, sonst hinke Europa den digitalen Entwicklungen hinterher.

Ist exklusiver Content für den Erfolg notwendig? Eindeutig mit ja beantworteten RTL, Sky und auch die Telekom diese Frage. So will die Deutsche Telekom in den nächsten Jahren massiv in eigene Inhalte investieren. Das kündigte Telekom-Vorstand Van Damme an. Er sprach von einem dreistelligen Millionen-Betrag, der unter anderem in Serien fließen soll. Auch Sky investiert stark ins Programm, zum Beispiel mit „Babylon Berlin“, der 40-Millionen-Euro teuren Koproduktion mit ARD. „Wenn wir ankündigen, wir wollen den Shift von einem Sport- und Männersender zu einem Entertainmentsender machen, dann müssen wir auch liefern. Und das tun wir.“ RTL-Chefin Schäferkordt wies auf die Wichtigkeit hin, den Content über verschiedene Wertschöpfungsstufen auswerten zu können: „Unsere Kernaufgabe wird sein, unsere Zielgruppe in die non-lineare Welt mit attraktiven Inhalten zu begleiten.“

Die US-Player Amazon und Netflix waren an manchen Punkten Thema der Diskussion. So gab Lutz Schüler, CEO von Unitymedia, unumwunden zu: „Ich habe großen Respekt vor Amazon.“ Deshalb forderte er die Podiumsteilnehmer auf, viel stärker zusammenzuarbeiten, um sich gegen internationale Player, wie Amazon & Co. behaupten zu können.

Mehr Inhalte, die jederzeit auf allen Devices genutzt werden können, erfordern immer schnellere Netze.  Telekom-Chef van Damme verwies darauf, dass die Telekom „am meisten Glasfaser verlegt habe“. Auch ländliche Gebiete seien gut ausgebaut. So sei es heute möglich, mittels installierter Kameras vor Ort, Spiele von kleineren Vereinen zu übertragen. Ametsreiter sieht im Ausbau von Glasfasernetzen keine Alternative: „Wir sind, was den Glasfaserausbau anbelangt, weltweit auf Platz 38. Deshalb solle man alle Fördergelder für Glasfaser verwenden. Einig waren sich alle: 5 Gigabit wird realistischer Weise erst 2020 verbreitet sein. Christoph Vilanek, CEO der freenet A.G, brachte es auf den Punkt: Die Digitalisierung wird weiter steigen und für Vielfalt sorgen. Die Verfügbarkeit von Entertainment im Netz wird so selbstverständlich sein wie die Verfügbarkeit von Strom.“ Und – abgesehen vom Netzausbau – man könne auch Fernsehen über DVB-2 schauen. „Der Empfang funktioniert immer.“