„Ich bin schlauer und ein bisschen ärmer geworden“ – Ex-Premiere-Chef Georg Kofler kehrt mit der Glow Media Group in die Welt der Medien zurück

08. 06. 2016
Nachbericht

Georg Kofler ist wieder im Mediengeschäft. Mit seiner neuen Firma Glow Media Group nimmt er unter anderem YouTube-Stars aus dem Beauty-Bereich unter Vertrag. Im Gespräch mit DWDL–Chefredakteur Thomas Lückerath erklärte der ehemalige ProSieben- und Premiere-Chef am Mittwoch, 08. Juni, auf dem Medienforum NRW 2016, warum ihn die digitale Medienwelt unternehmerisch reizt, weshalb er sich aus der Energiebranche zurückgezogen hat und wieso er bei der Vergabe der Fußball-Bundesligarechte 2005 alles auf eine Karte setzte.

YouTube als unternehmerische Herausforderung
„Ich bin schlauer und ein bisschen ärmer geworden, aber jetzt läuft‘s gut“, resümiert Georg Kofler. Nach seinem Abschied bei Premiere kehrte er den Medien den Rücken und gründete mit „Kofler Energies“ ein Unternehmen, das sich auf Dienstleistungen im Bereich Energieeffizienz spezialisiert hat. Doch als „ausgewiesener Nicht-Ingenieur“ könne er allenfalls für gute Laune sorgen, scherzt Kofler. Er stieg aus und wandte sich YouTube  zu. Eigentlich hatte er nach Premiere mit den Medien abgeschlossen, weil er keine neuen Optionen gesehen habe. „Was hätte ich denn in der kommerziellen Medienwelt noch machen sollen?“ In den 90er-Jahren war das etwas anderes: „Zu Beginn des Privatfernsehens hatten wir das Gefühl, wir krempeln die Welt noch einmal um. Wir waren Innovatoren und haben neue Formate eingeführt. Dann hat sich die Welt verändert und das Internet kam.“ Das interessierte ihn zunächst nicht, doch als er vor anderthalb Jahren entdeckte, dass es YouTuber mit 1,2 Millionen Abonnenten und 300.000 Abrufen pro Video gibt, sah er wieder eine unternehmerische Herausforderung. Auch wenn er sagte: „Bei ProSieben hätten die sich bei mir  nicht mal fürs Nachtprogramm bewerben dürfen.“ Kofler ist überzeugt: „Wir kommen in eine neue Pionierphase. Mich hat die Interaktivität und die Mobilisierungskraft der YouTube-Welt fasziniert.“ Begeistert ist er auch von der „einfachen technischen Verbreitung in toller Qualität“. Was heute selbstverständlich ist, war zu seiner Zeit bei ProSieben ein großes Problem: die technische Reichweite. Das habe sich geändert. Heute könnten Spartenprogramme online live verbreitet werden wie zum Beispiel Rocket Beans oder Joiz. Da die technischen Kosten niedrig seien, könne man mehr in Programm und Marketing investieren. „Wir werden eine Generation neuer Online-Live-Sender mit On-Demand und interaktiven Komponenten“ bekommen“, davon ist Georg Kofler überzeugt.

Glow Media Group vereint neue und alte Medien
Unter der Marke Glow will er Social Media, Produktion, Marketing und Events vereinen. Die Glow Media Group, die er zusammen mit den TV-Produzenten Christoph Post, Jörg Hoppe sowie Holger Hansen gegründet hat und an der er mit 60 Prozent beteiligt ist, nimmt die Top-YouTube-Stars unter den Beauty-Bloggern unter Vertrag und hat mit der Glow Convention ein Community-Event ins Leben gerufen, das sehr gut angenommen werde. Die Glow Media Group besteht aus sieben Geschäftsfeldern und beschäftigt 100 Mitarbeiter in Berlin, London, Manchester und bald in New York. Kofler will auch in die TV-Produktion einsteigen. „Das gehört alles zusammen“, sagte der ehemalige Fernsehmacher. Der Unterschied zwischen alten und neuen Medien sei nicht so stark. Selbstverständlich werde er wieder mit dem Fernsehen Kontakt haben.

„Die DFL hatte nicht den Mut, eine klare Weichenstellung vorzunehmen“
Dass Georg Kofler risikofreudig ist, hatte er 2005 als Premiere-Chef beim Poker um die Vergabe der TV-Rechte für die Fußball-Bundesliga bewiesen. „Ich wollte natürlich das Match entscheiden und Pay-TV in Deutschland so groß machen, wie in Großbritannien“, so Kofler. Deshalb habe er damals alles auf die Karte gesetzt, Exklusivität und 360 Millionen Euro für ein Szenario ohne Sportschau geboten, auf alle anderen Szenarien hingegen nur einen Euro. Er sei nie davon ausgegangen, „dass es Wahnsinnige geben würde, die noch mehr bieten würden.“ Doch die gab es. Und so gingen die Pay-TV-Rechte für die Saison 2006/2007 an Arena, eine Kabelnetzbetreibergesellschaft, die sich zu 100 Prozent in Besitz von Unity Media befand. „Die DFL hatte nicht den Mut, eine klare Weichenstellung vorzunehmen.“ Für Georg Kofler ist es ein Unding, dass alle vom Pay-TV verlangen, Milliarden für den Fußball auszugeben, aber keine Exklusivitätsrechte gewähren. Er gibt zu: Er würde immer wieder so entscheiden und fügt selbstbewusst hinzu: „Um 100 Millionen zu verzocken, muss man erst einmal 100 Millionen haben.“ Zudem wehrt sich der ehemalige Premiere-Chef gegen den Vorwurf, Abonnentenzahlen manipuliert zu haben. Die Abonnenten bei Premiere seien nur neu klassifiziert worden, da die Controller von einem anderen Abonnentenverständnis ausgegangen seien. Für ihn wäre ein Abonnent schon jemand, der nur einen Euro bezahle.

„Das ist Scheckbuch-Social-Media“
Scharf attackierte Kofler auch die öffentlich-rechtlichen Sender in Bezug auf das neue Online-Jugendportal. Es könne nicht sein, dass da jemand mit 45 Millionen Euro herumgehe und sich Sachen „zusammenklauen“ wolle, während andere Akteure im Internet mit viel geringeren Geldmitteln bereits erfolgreich Inhalte anböten. „Das ist Scheckbuch-Social-Media“, wettert Kofler. Zum Schluss wird Georg Kofler noch nach Stefan Raab gefragt, den er einst für ProSieben entdeckt und eingestellt hatte. „Stefan Raab ist ein toller Unternehmer und Medienmann. Natürlich wird er zurückkommen“, sagt der Medienmanager. Man darf spekulieren: Vielleicht sogar in Koflers Unternehmen?

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