Medienvielfalt in der digitalen Demokratie. Make the Truth great again!?

30. 05. 2017
Nachbericht

Angesichts der zunehmenden Relevanz von Intermediären wie Google oder Facebook bei der Nutzung von Nachrichten-Inhalten müssten auch diese Anbieter wie klassische Medien betrachtet und kontrolliert werden. Dies war eine der Forderungen bei einem Panel des Medienforum NRW 2017, das am 30. Mai in Köln stattfand. An der Diskussionsrunde nahmen unter anderem Vertreter von öffentlichen und privaten Fernsehsendern teil.

Prof. Dr. Wiebke Möhring, Professorin für Online- und Printjournalismus am Institut für Journalistik der TU Dortmund, leitete die Diskussion mit einigen statistischen Betrachtungen ein. So gebe es bei der Mediennutzung der 14- bis 29-Jährigen eine klare Verschiebung vom TV hin zum Internet. In der jungen Online-Nutzergruppe der 18- bis 24-Jährigen seien mehr als 48 Prozent regelmäßig in Sozialen Netzwerken unterwegs, um dort Nachrichten zu lesen. Knapp fünf Prozent nutzten Facebook und Co. demnach sogar als einzige Nachrichtenquelle. Den wachsenden Einfluss der sogenannten Intermediäre, Suchmaschinen und Sozialen Netzwerke, machte Möhring ebenfalls an Zahlen deutlich. Von den 14- bis 29-jährigen Internet-Nutzern nahmen laut einer Studie mehr als 72 Prozent mindestens ein Mal am Tag einen solchen Dienst in Anspruch.

Auch die klassischen Medien könnten hiervon profitieren, wie Andreas Tyrock, Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), auf dem Podium erläuterte. „34 bis 35 Prozent des Traffics auf unseren Seiten wird über Soziale Medien generiert“, berichtete er. Dieser Wert habe sich innerhalb eines Jahres nahezu verdreifacht. Über Suchmaschinen kämen rund 25 Prozent der Nutzer dorthin. Auch Dr. Udo Grätz, stellvertretender Chefredakteur des Westdeutschen Rundfunks (WDR), machte deutlich, wie wichtig die Präsenz im Bereich Social Media für seinen Sender sei. Formate wie „Monitor“ hätten im klassischen TV mittlerweile einen Publikums-Altersdurchschnitt von mehr als 60 Jahren. Es gehe darum, jüngere Zuschauer über das Internet auf solche Inhalte aufmerksam zu machen. „Bei meinen Gesprächen an Universitäten bekomme ich mit, dass die Studierenden solche Sendungen nicht etwa langweilig finden, sondern dass sie sie gar nicht erst kennen.“

Dennoch wollten die Medienvertreter die neuen Player im Internet nicht nur als Freunde betrachten. In dem Moment, wo Facebook oder Google durch Algorithmen die Nachrichtenlogik beeinflussten, würden sie die Rolle der reinen Distributions-Plattform verlassen und könnten selbst als Inhalte-Anbieter betrachtet werden, gab Möhring zu bedenken. Indem eine Auswahl von Nachrichten vorgenommen werde, erbringe Facebook ja auch eine journalistische Leistung, merkte Hans Demmel, Vorstandsvorsitzender des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) und Geschäftsführer von n-tv, an. Er führte zudem Facebook Live als Beispiel an, womit etwa am Abend des Terroranschlags auf den Weihnachtsmarkt in Berlin stundenlang bewegte Bilder zum Thema in dem Sozialen Netzwerk ausgestrahlt worden seien. „Da frage ich mich schon, worin der Unterschied zum klassischen Fernsehen besteht“, führte er aus.

Dementsprechend stand auch die Forderung im Raum, die Intermediäre wie andere Medienangebote zu regulieren und unter Aufsicht zu stellen. Prof. Dr. Ralf Müller-Terpitz, Vorsitzender der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK), erläuterte jedoch, dass dies alles andere als einfach sei. Das geltende Medienkonzentrationsrecht etwa sei zu schwach aufgestellt, weil es fernsehzentriert sei. Laut Müller-Terpitz sei eine Reform hin zu einer Bewertung des gesamten Medienmarkts erforderlich.

Der US-Konzern, der in der Diskussion am häufigsten zur Sprache kam, war , obschon eingeladen, nicht auf dem Podium vertreten – wie zumeist bei solchen Anlässen. „Facebook fehlt hier in der Runde“, kommentierte Demmel schmunzelnd, „irgendwie trifft man nie einen von denen, vielleicht gibt es sie gar nicht.“ Die Sendervertreter sahen das Social Media-Unternehmen selbst in der Pflicht, seine Aktivitäten transparent zu machen und vor allem auch gegen Fake News und strafrechtlich relevante Inhalte engagierter vorzugehen. Während Grätz sich in diesem Zusammenhang verhalten optimistisch zeigte, fiel das Urteil von VPRT-Chef Demmel eindeutig aus: „Das wird es durch freiwillige Maßnahmen von Facebook nicht geben.“

 

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