Next Level Content: TV-Erfolgsformate „Made in NRW“

08. 06. 2016
Nachbericht

In zwei Showcases diskutierten auf dem Medienforum NRW 2016 am 8. Juni Macher und Verantwortliche die Geheimnisse ihrer Erfolgsprojekte unter den Programmarken „Tatort“ und „Sing meinen Song –  Das Tauschkonzert“ und boten einen spannenden Blick hinter die Kulissen. Moderiert wurden die beiden Team-Talks von Schauspielerin Jeannine Michaelsen.

In dem Talk „Traditionsmarke Trimedial – der Tatort aus NRW“ ging es u.a. um crossmediale  Erweiterungen und Verknüpfungen des erfolgreichen Reihenformats. Die Tatorte aus Dortmund, Münster und Köln liegen regional nah beieinander, dennoch hat sich eine crossmediale Erzählweise nicht wirklich durchgesetzt. Das hat u.a. mit verschiedenen Produktionsweisen und damit einhergehenden Reibungsverlusten zu tun. Zudem möchte der „Tatort“-Zuschauer gern „sein“ Team sehen, wusste Frank Tönsmann, zuständiger Redakteur vom WDR Köln, zu berichten. Er sei „dankbar für den Erfolg, der ihn in seiner Gestaltung freier mache“.

Die Marke „Tatort“ funktioniert visuell, auditiv und im Social Media-Bereich

Der ARD-Radio-Tatort – seit 2008 On Air – „erfreut sich großer Beliebtheit und hat vom Markenbegriff profitiert“, so Georg Bühren vom WDR. Rund 1 Mio. Hörer werden erreicht. Dennoch sind TV und Radio zwei völlig voneinander losgelöste Produktionen. Die „Task Force Hamm“ – eine hochkarätige Ermittlertruppe bestehend aus Uwe Ochsenknecht, Sönke Möhring, Hans Peter Hallwachs und Matthias Leja – entsteht nicht im Studio: Kein dunkler Raum, keine Sprechkabinen, alles findet für die Radioproduktion draußen statt. Ein Experiment, das beim Hörer ankommt. Alles unter einer Marke – der Tatort funktioniert visuell, auditiv und im Social Media-Bereich. „Auch die Tatort-App ist eine weitere Stärkung der Marke“, so der Journalist und Multimedia-Experte Dennis Horn. Über die sozialen Medien lassen sich neue Zielgruppen finden und stärken, aber das lineare Programm wird keineswegs kannibalisiert. Aber: „Wenn das lineare TV ganz wegfällt, würde beim Tatort der ,Lagerfeuer´-Charakter entfallen“, prognostizierte Horn.

„Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ bescherte VOX regelmäßig hervorragende Einschaltquoten. Das preisgekrönte Erfolgsformat aus den Niederlanden hat es geschafft, eine neue Facette in die Masse der deutschen Musik-Shows zu bringen – und das soll auch so bleiben, wenn nächstes Jahr Host Xavier Naidoo aussteigt. An dem Konzept der Sendung jedenfalls wird sich nichts Wesentliches ändern. Man sei anfangs „selbst überrascht gewesen von dem Erfolg“, so Thomas Wißmann von VOX Television. Authentizität sei sehr wichtig  – und die lasse sich nun mal nicht einfach generieren. Vor jeder Sendung findet eine Art Song-Conference statt: Wer kann was von wem singen, was passt, was nicht – für die Künstler selbst allerdings bleibt das bis kurz vor Auftritt eine Überraschung. „Wir sind eine Privatparty und laden die Zuschauer ein, dabei zu sein“, sagt Torsten Sprick von Talpa Germany. Und Michael Herberger von Naidoo Records ergänzte: „Das Format lebt auch davon, dass es musikalisch breit aufgestellt ist“. Auch in der Zweitverwertung hat „Sing meinen Song“ die Nase vorn: Die Doku-Reihe „Die Story“ im Anschluss läuft ebenfalls mit großem Erfolg  – frei nach dem Motto: „Schon vorbei? Über den hätte ich gern noch mehr erfahren“, so Wißmann. Die Dokus werden hauptsächlich dort produziert, wo auch „Sing meinen Song“ entsteht. „Hier konfrontieren wir die Künstler in der Abgeschiedenheit Südafrikas mit ihrem Leben, ihren Werken“, so Christoph Richter von VOX.

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