Next Level Streaming: Showcases geben Auskunft über Trends und Entwicklungen

09. 06. 2016
Nachbericht

Der Streaming-Trend nimmt weiter Fahrt auf. Immer mehr Player drängen mit neuen Plattformen, neuen Geschäftsideen oder reinen Online-Sendern auf einen stark wettbewerbsgetriebenen Markt. Auch klassische TV-Sender setzen einen starken Fokus auf ihre Online-Angebote und entwickeln neue Strategien, ihre Zielgruppen zu erreichen. In fünf Showcases gab das Medienforum NRW 2016 am Donnerstag, 9. Juni, einenEinblick in aktuelle Trends und Entwicklungen im Streaming-Markt. Unter der Moderation der TV-Journalistin Ute Soldierer präsentierten Plattformverantwortliche, Medienmacher und Kreative ihre Produkte und Strategien mit Blick auf Content-Portfolio, Navigation, Vermarktung und Customer Insights.

„TV is not dying, it’s having babies”
Zum Auftakt präsentierte Frank Giersberg, Mitglied der Geschäftsleitung / Markt- und Geschäftsentwicklung beim Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT), den Video-On-Demand-Markt in Deutschland und erläuterte die Marktperspektiven. Der Markt sei sehr dynamisch. Es gebe einen Bewegtbildboom über alle Plattformen, die Nutzung steige stetig. Neue Streaming-Angebote hätten keine Disruptionseffekte auf die klassischen TV-Sender, es gebe ein fruchtbares Miteinander, analysierte Giersberg. „TV is not dying, it’s having babies”, zitierte er David Brennan, Direktor Forschung und Strategie der britischen Branchenorganisation Thinkbox. Im Werbemarkt entwickle sich die Nachfrage gut – die VoD-Umsätze wiesen stark wachsende Raten von 20 bis 30 Prozent auf. Es gebe einen intensiven Wettbewerb, aber auch gute Chancen für neue Anbieter auf dem Markt. Giersberg zeigte auf, dass die mobile Nutzung eine immer größere Rolle spielen werde. Auch die Produktion in 4K nehme zu. Wichtig würden zudem zunehmend datenbasierte Modelle und eine personalisierte Ausspielung.

PANTAFLIX: Direkter Filmvertrieb an weltweite Konsumenten
90 Prozent aller weltweit produzierten Filme haben keinen Vertrieb außerhalb ihrer Heimatmärkte. Dem will das neue Streaming-Portal PANTAFLIX abhelfen und unter anderem Expats die Möglichkeit geben, Filme aus ihren Heimatländern zu sehen. Dan Maag, Vorstand & CEO von Pantaleon Entertainment und Geschäftsführer von PANTAFLIX, gab einen exklusiven Einblick in das Projekt und zeigte Potenziale für Produzenten und Rechteinhaber auf. Als neue globale Video-on-Demand Plattform verschaffe es Produzenten die Möglichkeit des direkten Filmvertriebs an weltweite Konsumenten. 75 Prozent der Umsätze, die durch das Streaming erzielt würden, blieben bei den Produzenten. Die Filme und perspektivisch auch Serien seien auf allen Plattformen und Geräten verfügbar. Es gebe keine Hold Backs, das Produkt könne zeitnah angeboten werden. Den Preis könne der Produzent selbst festlegen und den Film auch gezielt vermarkten. Regionen, in denen ein Film bereits einen Vertrieb habe, können mit einem Klick ausgeschlossen werden. Zudem sei eine White Label-Lösung für Produzenten, Verbände oder Filmfestivals möglich. Dan Maag betonte, dass PANTAFLIX ein Vorreiter sei, dem viele weitere ähnliche Angebote folgen würden. Das Feedback aus der Branche sei sehr positiv, es gebe einen großen Vertrauensvorschuss.

TV Now: Im Livestream und auf Abruf
Mit einem neuen Geschäftsmodell bündelt TV NOW seit März 2016 alle bisherigen
NOW-Angebote der RTL-Mediengruppe und bietet so eine große Auswahl an verschiedenen TV-Sendungen sowohl im Livestream als auch auf Abruf. Robert Dube, Leiter Video on Demand & Videoproduktion bei der RTL interactive GmbH, stellte das neue Angebot vor. Es sei ein schwieriger Spagat gewesen, ein für den Endkunden gutes Modell zu finden und die lizenzrechtlichen Rahmenbedingungen sowie die Interessen der Werbekunden und Plattformpartner auszubalancieren. Ziel war es, die bestehende Struktur zu vereinfachen. So gibt es nur noch zwei Säulen: TV Now Standard und TV Now Plus für 2,99 Euro pro Monat. Zusätzlich zum kostenlosen Basismodell mit einen 7-Day-Catch-Up-Angebot bietet das Premium-Modell einen Live-Stream, ein Archiv mit über 250 Formaten sowie Inhalte vor der TV-Ausstrahlung. Bei den Kunden komme das neue Portal sehr gut an, so Dube. Drei Millionen Unique Users pro Monat sprechen eine deutliche Sprache. Besonders die kleineren Sender wie RTL Nitro oder n-tv profitierten von dem Portal und würden neue Zuschauer gewinnen.

Spotify: Videoinhalte sind erfolgreich
Spotify ist als Musikstreaming-Dienst groß geworden, setzt aber zunehmend auch auf andere Inhalte. Prominentestes Aushängeschild hierfür ist „Fest und flauschig“, der exklusive Podcast von Jan Böhmermann und Olli Schulz. Stefan Zilch, Geschäftsführer von Spotify in der DACH-Region, erläuterte die Content-Strategie des Unternehmens. Mittlerweile gebe es neben den Musikinhalten auch Podcasts und Videoformate, darunter viele internationale. „Wir werden aber auch eigene Formate produzieren und nicht nur fremde Inhalte lizenzieren“, so Zilch. Content Partner sind unter anderem Das Erste, der SWR, Deutschlandradio, der BR, Mediacraft, die Podcast-Plattform Viertausendhertz sowie internationale Unternehmen wie BBC, TED und Condé Nast. Für die Partner könne Spotify zusätzliche Zielgruppen erschließen. Zum Beispiel seien die Nutzer von SWR-Inhalten jünger als 35 Jahre, im Fernsehen würden sie kaum erreicht werden. „Wir werden weiter investieren und eigene Teams aufbauen“, sagte Zilch. Das Ziel sei es, Spotify überall dort verfügbar zu machen, wo Menschen Inhalte konsumierten.

KINO ON DEMAND: Streaming für Independent-Produktionen
Welche Chancen bieten sich für unabhängige Filme und TV-Inhalte im VOD-Markt jenseits der großen Plattformen? Philipp Hoffmann, Gründer und Geschäftsführer von RUSHLAKE MEDIA, präsentierte eine Lösung. Der Weg zum Zuschauer führe nicht nur über die reichweitenstarken Player, sondern auch über eine direkte Platzierung der Inhalte innerhalb der angestrebten Zielgruppe. Das Unternehmen hat mit Anschubförderung aus NRW das Portal KINO ON DEMAND entwickelt. Als lokale Marke erreichen Kinos eine Zielgruppe, die sie sehr gut kennen und können für sie online passende Zusatzangebote anbieten. Über die Einbindung eines Miniplayers auf den Webseiten der Kinos gebe es eine überschaubare Auswahl an Filmen, die an das Profil des jeweiligen Hauses angepasst werde. Möglich sei eine nachträgliche oder eine begleitende Auswertung, das heißt, der Film könne nach der Kinoauswertung gezeigt werden oder weitere Filme, die thematisch zum gezeigten Film passen, sind abrufbar. Kinos können so ihre Wertschöpfung in die digitale Vermarktung verlängern. Das Angebot richtet sich an ein Publikum, das etwas älter ist und die großen Plattformen kaum nutzt. Wir wollen den Rechteinhabern und Verleihern einen Kanal zu einer spezifischen Zielgruppe anbieten“, so Hoffmann.

Ooyala: Content-Stategien und Nutzungsanalyse
Wie gewinne, pflege und halte ich meine Zuschauer? Das war das Thema des Vortrags von Holger Schöpper, Regional Director CEU von Ooyala, einem internationalen Anbieter im Bereich Video-Plattform- und OTT-Solution. Er lieferte einen Überblick notwendiger Module entlang der Wertschöpfungskette von Produktion über Distribution, Nutzung bis hin zur Monetarisierung von Inhalten. Im Mittelpunkt des Vortrags stand die Erläuterung, wie Analysen angewandt werden können, um Erkenntnisse über die Nutzer zu erhalten und Content-Strategien zu entwickeln und anzupassen. Bereits im Produktionsprozess seien datenbasierte Analysen wichtig, um zu erkennen, was funktioniert. Im internationalen Kontext spielen auch länderspezifische Erkenntnisse eine große Rolle zur Zuschauergewinnung und -bindung. „Beim Sport Content beispielsweise wissen wir über unsere weltweiten Analysen, wie weit in den einzelnen Ländern das Engagement ist“, so Schöpper. Auch für die Preisgestaltung im TVOD- und die Verringerung der Churn Rate im SVOD-Bereich kann Ooyala wertvolle Erkenntnisse liefern. Das gleiche gilt für die Optimierung der Produktions- und die Reduzierung der Akquisitionskosten. Wichtig sei es, Zielvorgaben zu formulieren. Zum Abschluss prognostiziert Schöpper, dass vor allem das Live-Streaming im Kommen sei. So würden zum Beispiel immer mehr Print Publisher TV-Kanäle aufbauen.


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