One on One III: Adblocker und weitere Werbehindernisse. Schutz vor Werbeüberflutung oder Gefahr für die Medienvielfalt?

30. 05. 2017
Nachbericht

Sind Online-Werbesperren legitime Mittel, um Bürger vor Werbeüberflutung zu schützen oder sind sie eine Gefahr für die Medienvielfalt? Diese Frage diskutierten im Rahmen eines One on One auf dem Medienforum NRW 2017 am 30. Mai in Köln Dr. Cornelius Lehment, Rechtsanwalt, Lubberger Lehment, und Volker Tripp, Politischer Geschäftsführer, Digitale Gesellschaft, moderiert von WDR-Journalistin Anja Backhaus.

„Adblocker sind für mich eine Bedrohung der Medienvielfalt und eine Bedrohung der Demokratie“. Mit dieser provokanten These eröffnete Dr. Cornelius Lehment die Diskussion. Für Volker Tripp sind dagegen „Adblocker ein legitimes Mittel zur digitalen Selbstverteidigung.“ Zudem schützen Adblocker vor Schadsoftware („Malware“). Dr. Lehment nannte das „eine groteske Verzerrung der Realität.“ Wer ein gutes Anti-Viren-Programm habe, sei vor Schadsoftware bestens geschützt.

Tripp argumentierte, es gebe Adblocker, weil sie einem Bedürfnis der Nutzer entsprächen – da Werbung oft als aufdringlich empfunden werde. Statt Adblocker zu verhindern, solle man lieber dafür sorgen, dass Werbung gern gesehen und akzeptiert werde.

Darauf ließ sich Dr. Lehment nicht ein: „Adblocker greifen unmittelbar in die Integrität eines Anbieters ein. Ihre einzige Funktion ist es, das Produkt eines anderen zu beschädigen.“ Als Folge der Verbannung von Werbung sieht er einen Qualitätsverlust bei den Medien: „Schon heute stehen bei Qualitätsmedien wie dem Spiegel oder dem Stern 30 Prozent der Werbeerlöse nicht zur Verfügung. Zusammen bedeutet dies für die General-Interest-Medien einen Umsatzverlust von 80 bis 100 Millionen Euro im Jahr.“ Und wenn diese Summe fehle, müsse das Angebot eingeschränkt werden. Denn die Refinanzierungsmöglichkeiten im Netz seien eingeschränkt. Eine fatale Folge: Qualitätsmedien verschwinden hinter eine Bezahlschranke, die breite Masse könne sich nur über wenige Angebote und Blogger informieren. Dr. Lehment stellt die These auf: Brexit und die Wahl von US-Präsident Donald Trump seien die ersten Anzeichen dafür, dass Blogger Zeichen setzen.

Diese These wies Tripp als „hanebüchenen Blödsinn“ zurück, sie sei durch keinerlei Beweise gestützt. Wenn jemand Trump großgemacht hätte, wären es klassische Medien wie Fox News gewesen. „Ich glaube nicht, dass es zu einem Niedergang der Medienhäuser kommt. Stattdessen trägt die Situation dazu bei, dass neue Einnahmequellen erschlossen und mit Bezahlangeboten Erfahrung gemacht werden.“

Die Alternative lautete für Tripp: „Man braucht eine Plattform, für die man eine monatliche Flat-Raten zahlt und dann alle relevanten Angebote erhält.“ Den Krieg gegen die Nutzer könne man nicht gewinnen.

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