Searching for the Young Rebels. Wie sich das Fernsehen neu erfindet

08. 06. 2016
Nachbericht

Wie stellen sich traditionelle TV-Anbieter dem Wettbewerb um die Gunst der jungen Zuschauer? Wie können der Generationenabriss vermieden und neue Plattformen in die Programmstrategie integriert werden? Das wollte Moderator Torsten Zarges, DWDL.de, in zwei Showcases von Florian Hager, Jugendangebot von ARD/ZDF und Stuart Wettenhall, BBC Worldwide, auf dem Medienforum NRW 2016, am 08. Juni in Köln, wissen.

Jugendangebot ARD/ZDF

Während die Briten bereits seit fünf Jahren der veränderten Mediennutzung  der jungen Zielgruppe Rechnung tragen, stehen die Deutschen noch am Anfang. „Wir haben erstmals vor circa einem Jahr über das Projekt gesprochen“, so Florian Hager. „Und es gibt noch kein Label.“ Doch eines sei sicher: Das Jugendangebot von ARD/ZDF werde sich voll und ganz auf die mobilen Endgeräte konzentrieren. Sein Auftrag sei es, die Zielgruppe der 14 – 29-jährigen zu erreichen. „Dafür gilt es, Inhalte zu schaffen.“

Eine Strategie auf drei Standbeinen

Oberste Priorität hat für Florian Hager die Entwicklung eigenen Contents für YouTube und Co. Mit eigenproduzierten Webvideos – hauptsächlich serielle, fiktionale Produktionen und eigenproduzierte Formate in hochwertiger Qualität – will das Jugendangebot von ARD und ZDF eine nachhaltige Reichweite aufbauen. Das zweite Standbein sei die eigene App. Hager betonte, dass sie keinesfalls den Charakter einer kommerziellen Mediathek haben werde. Das dritte Standbein – die eigene Homepage – spiele bei der Entwicklung eine untergeordnete Rolle. Insgesamt stehen Florian Hager rund 44 Millionen Euro jährlich für die Umsetzung seiner Strategie zur Verfügung.

Serielle, fiktionale Produktionen und eigenproduzierte Formate mit Interaktion

Wer die Umsetzung der Formate und Serien übernimmt, stehe noch nicht fest. Hager kann sich hier sowohl klassische Produktionsfirmen als auch Spieler der Web-Videobranche vorstellen. Das Jugendangebot habe den Vorteil, dass  Filme an keine Formatlänge gebunden seien und individuell produziert werden könnten. Hager betonte, dass dabei der redaktionelle Einfluss von ARD und ZDF eine untergeordnete Rolle spielen solle. Man wisse dort zwar, was man wolle, aber vordefiniert werde nichts. Der Senderstart ist für den Herbst 2016 geplant.

BBC: „Make you laugh – make you think“

Im zweiten Teil –  „The BBC’s Approach to Younger Audiences“ – berichtete Stuart Wettenhall von seinen Erfahrungen mit dem Youth Channel BBC 3 und der veränderten Mediennutzung der Zielgruppe zwischen 16 und 34 Jahren. Wettenhall ist seit 2011 für die globale Strategie für Jugendinhalte und Kurzformate bei  BBC Worldwide verantwortlich. Seit fünf Jahren kreiere man Content für die junge Zielgruppe und habe gelernt, dass die Inhalte in erster Linie verständlich sein müssten. Man arbeite unter dem Motto  „Make you laugh – make you think“. Vor allem Themen wie Crime, Spiele, Sex und Comedy fänden großen Anklang beim Zielpublikum und werden im besten Fall crossmedial genutzt.

Game und Film

Wettenhall präsentierte dem Publikum Ausschnitte aus „Metal Gear Man“, der Game und Film verbindet: Die BBC begleitete die Entstehung einer vollfunktionstüchtigen Armprothese für den jungen James Young nach dem Vorbild eines Roboterarms aus der Metal-Gear-Spielereihe. Entstanden ist so eine Doku, die den Zuschauer mit auf James‘ Reise vom  Design der Prothese, über die erste Anprobe bis hin zu seinem Outing in der Öffentlichkeit nimmt. Der BBC seien so 30 Minuten Film gelungen, die es sich lohne, anzusehen. Weitere Programmhighlights des Youth Channel BBC 3 seien die Challenge-Show „Mission Selfie“ mit den beiden britischen YouTube-Stars Steve Booker und Ben Brown, die inzwischen Views in Millionenhöhe generiere, sowie Life and Death Row – eine Doku-Serie, die junge Menschen im Todestrakt begleitete.