Trend Watch: What’s hot on TV?

11. 06. 2015
Nachbericht

Die aktuellen Trends in TV-Programmen waren Thema der Veranstaltung „Trend Watch“ der Entertainment Master Class auf den Medienforum NRW 2015. Nach der Begrüßung durch David Lyle, Faculty Director der Entertainment Masterclass, gab Bernhard Sonnleitner, Leiter Format Scouting bei ProSiebenSat.1TV, unter dem Titel „Trend Watch – What´s hot on TV?“ einen Überblick über die aktuell vielversprechendsten Trends im internationalen Programmgeschäft. Dabei konzentrierte er sich im Wesentlichen auf lineare Programmmarken und nicht fiktionale Formate aus Westeuropa, Israel, Australien und Nord Amerika.

Er stellte seinen Ausführungen voraus, dass er bei seinen Scouting insbesondere neue Ideen und Formate suche, aber nicht Märkte in Gänze beobachte oder Zuschauerdaten einhole und analysiere. Für seinen Überblick clusterte er die aktuellen Trends bei Showkonzepte zu Genres:

Bring in the Kids

Bestehende Showkonzepte werden mit Kindern umgesetzt und neue eigens für Kinder als Protagonisten entwickelt. „Kids Idols“ oder „The Voice Kids“ seien erfolgreiche Beispiele für Verlängerung von bestehenden Programmmarken. In den USA haben sich Ellen DeGeneres und Steve Harvey zusammengetan und präsentieren junge Talente- Musiker, Sänger, Tänzer und alle möglichen „Wunderkinder“ – ein neues Konzept, das keine erwachsene Entsprechung habe.

Celebreties

Shows mit Celebrities sei ein Genre, das nach wie vor gut funktioniere, etwa mit „Stars in Danger“ aus Deutschland oder „I can do That“ aus Israel.

Die Rückkehr der Gameshow mit Körpereinsatz

Unter dem Motto „weniger Comedy, mehr Muskeln“ subsumierte Sonnleitner Showerfolge, die von ihren Kandidaten vollen Körpereinsatz abverlangten, wie „Bullseye“ und „American Ninja Warrior“ aus den USA, „Eternal Glory“ aus den Niederlanden oder „Beat the Champion“ aus Japan.

Überlebensexperimente

Wenn Städter auf die Wildnis treffen – Formate mit dieser Grundidee würden ebenfalls derzeit international sehr gut funktionieren. Als Beispiele nannte Sonnleitner die Beispiele „Fat Guys in the Woods“, „Surviving Marriage“, „The Raft“ und „Alone“ aus den USA, „Fathers Pride“ aus Holland oder „The Island“ von Channel 4 aus Großbritannien, eines der größeren Marken dieses Genres.

Echte Menschen – echte Realität

„Ungeschnitten, ohne Storytelling, zurück zu den Wurzeln des Reality TV“, so umschrieb der ProSiebenSat.1 Reality Experte ein weiteres aktuelles Erfolgsgenre. Beispiele hierfür seien „Married at first Sight“ (DR3, Dänemark), „Benefits Street“ (Großbritannien) oder das Gesellschafts-Experiment „Utopia“ (Holland, Talpa) sowie die amerikanische Show „The Briefcase“ (CBS). Alle Konzepte dieses Genres beruhten darauf, dass sich der Zuschauer „stets die Frage stellt: Was würde ich in dieser Situation tun?“, so Sonnleitner.

Die neuen Überraschungs-Shows

Schließlich stellte er noch ein Genre heraus, das es im Prinzip schon lange gebe, das aber inzwischen mit „neuen Twists“ in eine neue Generation gehen würde: Shows, bei denen nichtsahnende Kandidaten überrascht würden, etwa mit ungeahnten Begegnungen, der Erfüllung von Wünschen oder plötzlichem Reichtum. Beispiele wie „Knock Knock“ aus den USA, das mit großem Erfolg bei Fox läuft, „Suprise Suprise“ und „The Gift“ (BBC) aus Großbritannien, „The Wishing Tree“, ein holländisches Format, in dem Wünsche von Kindern erfüllt werden und insofern „auch in die Kategorie `Bring in the Kids`passt“, so Sonnleitner, und in Deutschland aus eigener Herstellung „The Big Suprise“ (Red Arrow, Pro7) und „Meet My Idol“ (Sat.1).

Aber auch was gerade nicht im Trend liegt, versuchte Sonnleitner zu definieren. So sei die Zeit für Quizshows im Studio vorbei – „eine Frage, vier mögliche Antworten, eine Gewinnleiter – das haben wir alles schon einmal gesehen“.

Auch für Kochshows sieht der Experte derzeit keinen Markt: „es gibt in diesem Bereich vier dominierenden Programmmarken gegen die Formatmacher kaum ankommen“. Außerdem seien Realitykonzepte mit „Charakteren, größer als das Leben“ derzeit schwer an den Sender zu bringen. „Bizarrer als das, was es schon gibt, wird es kaum“. Abschließend ging Sonnleitner kurz auf ein Phänomen ein, dass er das „Second Screen Dilemma“ nennt. Sonnleitner in prägnanten Worten: „Nutzen Zuschauer Second Screen? Ja! Funktionieren Shows mit einem ausgeprägten interaktiven Anteil? Nein!“

Dennoch, so lautet bei aller Analyse sein Fazit: „Rechne immer damit, dass Dich jederzeit ein komplett überraschendes Konzept „Out of the Blue“ treffen kann.“