Virtual Reality in Television

08. 06. 2016
Nachbericht

Mitten in die Praxis ging es beim Podium Virtual Reality in Television am Mittwochnachmittag. Brian Seth Hurst, Chief Storyteller & Co-Founder, Storytech, sowie Geschäftsführer, The Opportunity Management Company, gab einen eindrucksvollen Überblick über den derzeitigen Stand von Virtual Reality (VR). „Virtual Reality ist die sich am schnellsten entwickelnde Branche überhaupt“, konstatierte Hurst. „Alleine in den vergangenen zwei Monaten habe es jede Menge Bewegung im Markt gegeben“, resümierte der international renommierte Experte. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Der neue Kabelsender von Vice, Viceland, kooperiert dazu mit Samsung. Und Alibaba, die größte IT-Firma Chinas, will Gnome Magic Lab, das über 400 Millionen Users verfügt, erwerben.

Raus aus der Nische

So ist VR längst aus der Nische heraus: Mittlerweile gibt es 3,6 Millionen Nutzer der VR-Brille Oculus Rift, 2,1 Millionen Nutzer von htc vive, 1,4 Millionen Sony Playstations VR und 5 Millionen Menschen, die Samsung Gear VR besitzen. Auch für Schauspieler Kevin Spacey, Hauptdarsteller in der weltweiten Erfolgsserie „House of Cards“, ist VR attraktiv: Er investierte in Woofbert, eine App, die Kunstausstellungen in der virtuellen Realität zugänglich macht. VR hätte zwar durch die Gaming-Branche ihren Aufstieg erfahren, sagte Hurst, aber längst haben Player wie Netflix und Hulu die virtuelle Realität für sich entdeckt und investieren hier.

Gefragt: Gute Geschichten

Entscheidend dabei sei: VR benötigt – genau wie die klassischen Medien – gute Geschichten. „Und das wird sich auch nicht ändern.“ Diese Erkenntnis sei auch eine Chance für die Kreativbranche, meinte Hurst. Allerdings müsse man bei den Dreharbeiten einiges beachten. Zu allererst braucht man geschultes und professionelles Personal. Man müsse die Innen- und Außendreharbeiten genau kalkulieren, um die richtige Anmutung zu erzielen. Vor allem das Audio Design spiele eine große Rolle, schließlich bewege sich der Nutzer, und der Ton müsse mitwandern. Nicht zuletzt die Werbung profitiere von den neuen technischen Möglichkeiten. Unter anderem hätten Coca-Cola und Facebook bereits Werbespots mit einer 360-Grad-Anmutung gedreht.

Mobilgeräte sorgen für mehr Interesse an VR

Im anschließenden Gespräch mit Hurst wollte die Moderatorin, Dr. Léa Steinacker, Digital Scout der Wirtschaftswoche, wissen, warum VR gerade jetzt auf Erfolgskurs sei. „Nicht jeder konnte sich Google Glass leisten. Aber jeder hat ein Handy. Und das ermöglicht vieles“, bilanzierte Hurst. So könne man jetzt eine VR-Brille auf sein Mobilgerät stecken. Auf die Frage aus dem Publikum, mit welchen Kosten er beim Dreh kalkuliere, antworte er „das hängt von verschiedenen Faktoren ab“, aber „sicher nicht sechs Millionen Dollar“. Eher bewege man sich im sechsstelligen Bereich für 20 Minuten.

Virtual Reality sei vielfältig einsetzbar: Immobilienhändler könnten Häuser und Wohnung vor Ihrer Realisierung erlebbar machen, Reisebüros die gewünschten Destinationen, oder Journalisten könnten eine Erfahrung ihres Interviewpartners nacherleben.

Showcase Mediamonks

Anschließend stellte Pasi Helin, CCO MediaMonks, Stockholm, ein Projekt seiner auf VR spezialisierten Firma vor: Hollywood-Star Nicole Kidman präsentierte den Komfort in der First Class der Fluggesellschaft Etihad Airlines. Die Teilnehmer konnten sich anhand des Making of einen vertieften Eindruck über die Dreharbeiten machen. Helin wies darauf hin, dass man sich – egal welche Geschichte man verfilme –  „eher als Influencer denn als Regisseur fühlen sollte.“ Es ginge nicht darum, dass die Zuschauer sich ständig umsehen könnten, sondern darum, sich in einer anderen Zeit und in einem anderen Raum zu befinden. Das müsse man auch bei der Erstellung des Storyboards berücksichtigen. Im anschließenden Gespräch betonte er, wie wichtig es sei, sein Handwerk zu beherrschen: „Virtual Reality erlaubt keine Fehler.“

Und wie weist man jemanden den Weg, der noch nie Virtual Reality ausprobiert hat? fragte Moderatorin Dr. Lea Steinacker abschließend. „Probieren Sie Google Cardboard aus – das ist einfach und unterhaltsam“, empfahl Helin. Das konnten die Teilnehmer gleich in die Tat umsetzen: Für jeden gab es ein Google Cardboard zum Mitnehmen und Ausprobieren.

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